Konfessionelle Netzwerke der Deutschen in Russland 1922–1941

Quellen-Datenbank

Seite 
 von 100
Dokument Nr. 92

7. Leben bis zum Tod: Frison und andere deutsche Geistliche in den Mühlen des Terrors

Segreteria di Stato, Sezione per i Rapporti con gli Stati, Archivio Storico (S.RR.SS.),
Congregazione degli Affari Ecclesiastici Straordinari (AA.EE.SS.),
Pro Russia (1932-1935),
Pos. Scat. 11,
Fasc. 77,
Fol. 81r

Datum: 19. Juni 1935
Inhalt: Dem Heiligen Stuhl 1935 vorliegende Informationen offenbar des Auswärtigen Amtes über die Verhaftung des katholischen Geistlichen Theobald Kopp. Der katholische Pfarrer Fix wurde gezwungen, seine Gemeinde im Rajon Selz zu verlassen. Zwei engagierte Katholikinnen, eine Wirtschafterin und eine Verwandte des verstorbenen Bischofs Zerr wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Abschrift
 
[ohne Ort] den 19. Juni 1935.
 
Am 7. ds. Mts. [diesen Monats] ist der katholische Pfarrer Theobald  K o p p  in der Kolonie Strassburg, Rayon Selz, verhaftet und am l0. ds. Mts. [diesen Monats] in das Odessaer Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden. Ihm wird Briefverkehr mit dem Ausland, insbesondere mit Rumänien, woher er stammt, zur Last gelegt.
Ferner ist vor einigen Tagen dem katholischen Pfarrer Johannes  F i x  in der benachbarten Kolonie Baden, Rayon Selz, von den örtlichen Behörden nahegelegt worden, das Dorf zu verlassen. Pfarrer Fix, der etwa 80 Jahre alt ist und noch amtierte, hat sich darauf entschlossen, dieser Aufforderung nachzukommen. Der letzte Gottesdienst ist ihm für den 21. d. Mts. [diesen Monats] gestattet worden. Damit sind auch die kirchlichen Gemeinden des deutschen Rayons Selz nunmehr ohne Geistliche.
Weiter ist bekannt geworden: die Wirtschafterin des vor einigen Jahren verstorbenen Bischofs Zerr in Kandel ist zu 5 Jahren und eine Verwandte des Bischofs Zerr, Margarete Brendel in Selz, zu 4 Jahren Freiheitsentziehung verurteilt worden. Letztere ist ein Krüppel und hinterlässt in Selz ihren 92-jährigen Vater und ihre 87-jährige Mutter. Die beiden verurteilten Frauen sollen sehr um die Erhaltung der Kirchen und des kirchlichen Lebens in ihrem Bezirk bemüht gewesen sein.

Empfohlene Zitierweise:
Dokument Nr. 92, in: Konfessionelle Netzwerke der Deutschen in Russland 1922-1941. Quellen-Datenbank. Hrsg. von Katrin Boeckh und Emília Hrabovec. URL: http://www.konnetz.ios-regensburg.de/dokumenteview.php?ID=92, abgerufen am: 22.01.2022.
Seite 
 von 100
Druckerfreundliche Anzeige: Druckerfreundlich
 

PDF: PDF
Ok, verstanden

Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Mehr Infos